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Bereichsleiterbericht D-Junioren

Tomas Zivcic, 08.05.2009

Sechs Spieltage sind in der Rückrunde ins Land gezogen und lassen es zu, ein kleines Resümee zu ziehen.

 

Ziele und Stand der Ausbildung

Wir haben in dieser Saison insgesamt 23 Spieler in der höchsten D-Junioren Spielklasse spielen lassen und das auf mehreren verschiedenen Positionen.

Wir sind in der individuellen Ausbildung deutschlandweit mit unter den führenden Jugendklubs angesiedelt, wie man in den vielen internationalen Turnieren, nicht nur durch die Ergebnisse, sondern vor allem an dem Spielstil sehen konnte.

Wir stellen in der Rückrunde das bisher erfolgreichste Team und zeigen damit, dass wir, wenn wir es wirklich darauf anlegen auch Ergebnisse erzielen können. [Das Motto dabei ist immer dasselbe: „Auf Sieg spielen und gewinnen kann jeder, ausbilden aber die wenigsten.“]

Wir dominieren (in den ersten Spielhälften) unsere Gegner und zeigen einen technisch sauberen und individuell hochklassigen Jugendfußball.

Wir spielen einen sehr fairen Fußball ohne unnötige Härte, ohne unnötigen Körpereinsatz und vor allem ohne Schauspieleinlagen, Provokationen und kleinen „Tätlichkeiten“.

Wir haben in dieser Saison noch kein einziges Mal mit unserer „Top Aufstellung“ spielen können, also die effizientesten Jungs auf ihren besten Positionen. In der Hinrunde haben wir aus Ausbildungsgründen darauf keinen Wert gelegt, in der Rückrunde spielten uns Verletzungen und Krankheiten ständig einen Streich. Aber das ist nur ein nebensächlicher Punkt, das wichtigstes ist:

Wir haben zu diesem Zeitpunkt fast alle unsere Lernzielhürden erreicht, die Jungs nutzen beide Füße, die meisten auch unter Drucksituationen, sie verfügen fast alle über eine saubere Spann sowie Innenseitentechnik, sind trickreich und selbstbewusst  im 1:1  und finden sich von ihrer Handlungsschnelligkeit her im Topbereich wieder.

 

Wir haben bisher genau das umgesetzt, was wir zu Beginn der Saison vorgestellt, und in vielen Berichten nachvollziehbar prognostiziert  haben. Obwohl wir seit Jahren zeigen, dass Ausbildung planbar ist und Talent entwickelbar, entstehen immer wieder Irritationen, zwei davon in letzter Zeit häufiger:

  

Die zweite Halbzeit

Unsere Jungs zeigten gute bis herausragende Leistungen in der ersten Spielhälfte, in der zweiten konnten sie nicht mehr daran anknüpfen.  

 

Das hat einfache Gründe. So sind zum einen die Laufwege für unsere drei Zentrumsspieler dermaßen groß, dass sie selbst ein bis zwei Jahre Ältere nicht über die volle Spielzeit durchhalten könnten, und dass obwohl  wir besonders im Zentrum Spieler haben, die durch die LSK Projekte mindestens sechs Mal die Woche trainieren. Unser Spielstil, den die Jungs in großen Teilen überragend umsetzen ist sehr kräftezehrend, während andere Teams meist nur durch reines Pass- und Schlagspiel auffallen, müssen unsere Jungs ständig 1:1 und 1:2 Situationen lösen. Auch das für dieses Alter noch nicht zu erwartende taktische Geschick spielt dabei eine Rolle, so müsste unser Zentrum von der ersten Reihe (Abwehr) auch ständig unterstützt werden im Spielaufbau und von der dritten Reihe im defensiven Bereich. Da das nur selten geschieht, erhöht sich der Laufaufwand wieder. Doch nicht nur die Zentrumsspieler sind davon betroffen, die Außenstürmer bzw. Verteidiger müssen, wenn sie ihre Position richtig spielen wollen enorm weite Wege gehen und bei Ballverlusten diese sogar im höchsten Tempo zurücklegen, da das Absicherungsverhalten einer D-Jugend entsprechen nur marginal vorhanden ist.

 

Trotzdem machen die Jungs ihre Arbeit auch in der zweiten Halbzeit teilweise sehr gut, nur ist es meistens eben mehr Abwehrarbeit. Dabei spricht die Statistik für unsere Kinder.

Ganz nebenbei  ist es erstaunlich, dass genau in diesem Punkt die so oft zitierten reinen Zahlen und Ergebnisse nicht zu Rate gezogen werden. So kassierten unsere Jungs gegen den FC Ismaning kein Gegentor in der zweiten Hälfte, gegen den FC Bayern trotz großer Druckphase eben auch keines, gegen Glonntal kassierte man ein Gegentor, schoss dafür aber auch zwei, gegen Geretsried trennte man sich 1:1, gegen Freising „gewann“ man die zweite Hälfte mit 1:0, und gegen den FC Ingolstadt „hagelte“ es in der zweiten Hälfte ein Gegentor. Also hat man insgesamt, wenn man die zweiten Halbzeiten bisher in der Rückrunde betrachtet ein Torverhältnis von 4:3 [in der ersten Halbzeit 12:3].

Aber Zahlen sind reine Makulatur, es kann auch sein, dass man im nächsten Spiel einfach abgeschossen wird, in der ersten, sowie der zweiten Halbzeit… Unsere Antwort darauf bleibt dieselbe: „Na und?“

Hauptsache die Jungs erreichen die persönlichen Lernzielvorgaben, und das werden sie.

 

Talentiertes Kind – was nu? Oder warum spielt denn mein Junge nicht, der ist doch soviel besser als der andere...

Wie schon erwähnt haben wir dreiundzwanzig 96er eingesetzt bzw. im Kader gehabt, und dass obwohl wir in der letzten Saison acht Spieler an Lizenzvereine abgeben mussten. Man braucht jetzt sicherlich nicht viel Verstand um sich auszumalen, dass unter diesen 23 Kindern einige dabei sind, die unter reinem Ergebnisdenken nichts aber auch gar nichts in einer BOL Mannschaft zu suchen haben. Da wir aber an das Potential und unsere Arbeit glauben und ein wenig Geduld haben mit Kindern in der Entwicklung, haben wir uns diesen viel zu großen Kader angetan. Selbstverständlich sind wir auch sehr froh darüber, dass uns dieser Mehraufwand mit dem nötigen Verständnis, der nötigen Ruhe und der nötigen Unterstützung gedankt wurde, und jegliche leidliche Versuche, Kinder durch Klüngelbildung oder Stammtischparolen „ins Team zu bringen“, sowie das an vielen Plätzen Gang und Gebe ist, ausgeblieben sind.


Wir werden das deshalb so sachlich wie nötig formulieren:

Die Grundsituation ist immer dieselbe. Es spielt keine Rolle wie erfolgreich man im Beruf ist, wie viel Geld man verdient, welchen Posten man hat oder welches Auto man vorführen kann, es ist auch völlig unwichtig wo man selber als Erwachsener Fußball gespielt hat oder noch spielt, ob C-Klasse oder Bundesliga, ebenso unwichtig ist es wie engagiert man ist im Verein und es ist auch grundsätzlich egal ob man ein „toller“ Vater oder eine „tolle“ Mutter ist und wie viele Kinder man schon „erfolgreich“ aufgezogen hat.

 

Hier geht es um JUGENDFUSSBALL und nicht um Fußball, hier geht es um ENTWICKLUNG geistiger wie körperlicher Fähigkeiten, nicht um eine wöchentliche Bestandsaufnahme der momentanen Leitungsfähigkeit, und hierin (besonders in der Kombination von beiden) werden fast alle Eltern komplett in ihrer Unsicherheit von jedem dahergelaufenen Möchtegernexperten ausgenutzt. Am schlimmsten ist es, wenn man ein „Talent“ besitzt, dann kann man sich gar nicht mehr retten vor guten Ratschlägen, denn man hat ja schließlich nur eine Chance für das eigene Kind...

 

„Der Junge ist stehengeblieben, der war früher so gut…“, „...der muss das und das können, dass und das machen, der kann ja das und das gar nicht…“, „...bei mir war der viel stärker...“ , usw. usw. Man kann es nach dreizehn Jahren Jugendtrainer Dasein nicht mehr hören.

 

Die einzige Frage, die man sich als Elternteil stellen muss ist: „Wollen Die mein Kind weiterbringen oder nur sich selber?“ Beides geht nämlich im Jugendfußball, besonders im Bereich der Grundlagenausbildung und des Aufbaubereiches,  NICHT.

 

Ein guter Ausbilder erntet die Früchte seiner Arbeit grundsätzlich nie,  er muss auf Mutter Natur warten lernen und in dieser Zeit die Kinder, im schlimmsten Fall, vor den eigenen Eltern und deren aufgestachelten Erwartungen „schützen“, er muss gegen eine reine „Ergebniswelt“ antreten, die unsere Kinder schon in den Schulen zerstört und in ihrem Hobby jegliche Lust verjagt, und er muss ständig die Kinder und Jugendlichen anspornen sich selber weiterbringen zu wollen, denn ab einem gewissen Alter (in guten Fällen 15 aufwärts, die meisten leider schon früher) muss man sich eben plagen, und man kann als Ausbilder nicht dauernd versuchen einen Beliebtheitswettbewerb bei den Jungs zu gewinnen.

 

Wer seit Jahren bei uns dabei ist und das immer noch nicht verstanden hat, dem wird auch nicht mehr geholfen werden, und die Jungs können sich in eine lange Reihe von talentierten Landkreiskickern einreihen, die Regionalliga spielen könnten, aber lieber für gutes Geld Kreisliga oder Bezirksliga kicken, Schuld daran sind natürlich immer die ominösen „Anderen“.

 

Für alle anderen, und das ist immer noch der Großteil, erfreuen wir uns an dem tollen Fußball unserer Kinder, es ist ein wahnsinn diese talentierten Jungs jedesmal im Training bewundern zu dürfen, so und nur so macht Jugendfußball richtig Spaß.