Bereichsleiterbericht D-Junioren - Erster Zwischenstand
Tomas Zivcic, 03.11.2008
Nach nun sechs Spieltagen und der Spielpause an Allerheiligen ist es Zeit eine etwas ausführliche Wasserstandsmeldung abzuliefern. Unsere Jungs sind nach einem fulminanten Start auch ebenso unsanft wieder gelandet und rangieren jetzt im unteren Bereich der Tabelle. Wie aber schon im ersten D-Juniorenbericht „Wie die U13 tickt und sie tickt laut..." angekündigt ist dies eben das Risiko unserer Ausbildungsidee. Aber bevor wir zum Team kommen noch zwei allgemeine Gedanken, die uns aufgefallen sind.
Ergebnisse BOL
Wenn man sich die Ergebnisse der Spieltage ansieht, so erscheint es einem, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Man kann jedoch nicht daraus schließen, dass auch jede Mannschaft ungefähr dasselbe Niveau hat. Mit 1860 München haben wir zum Beispiel ein zwar junges Team, dass aber sicherlich deutschlandweit zum Spielstärksten und technisch Temporeichsten gehört, was man in der Altersklasse zu bieten hat. Ebenso spielt ein 1860 Rosenheim einen sehr schnellen und technisch sauberen Fußball, trotzdem gelingt es auch diesen beiden Mannschaften nicht immer die Ergebnisse einzuholen, die normalerweise möglich wären. Das liegt wiederum einfach an der rein ergebnisorientierten Spielweise fast aller Mannschaften. Das Team, welches das Spiel machen muss, also viel mehr investieren muss, muss auch das meiste Risiko tragen und da die Kinder in diesem Alter mental noch nicht gefestigt sind (deshalb auch viele Fehler machen) und körperliche Vorteile technische aufheben können, verlieren diese Mannschaften auch immer wieder anscheinend überraschend.
Leider wissen das auch die meisten Trainer und stellen ihre Jungs nur gegen den Ball ein. Es werden Zweikämpfe gesucht und sehr hart geführt, die hintere Abwehrreihe klärt die Bälle immer hoch und unkontrolliert nach vorne, das Spiel wird - wenn überhaupt - immer über Außen aufgebaut und dann ohne Rückwärtsgang, schlussendlich hofft man einfach weniger Fehler als der Gegner zu machen und sich irgendwie durchzusetzen, also auf Zufall zu spielen. Keiner der bisherigen Gegner hat wirklich auf Ballbesitz gespielt, Passtaffeten kamen sehr selten zustande und wenn dann nur über Fünfmeterpässe auf sicher freistehende Mitspieler, Einzelaktionen werden oft rigoros untersagt und nicht gefordert, es ist wie vor zwanzig oder dreißig Jahren: Dribbeln dürfen nur die Stürmer und die Ausländer im Team, denn die können es wenigstens. Zum Leidwesen führt sich diese Entwicklung durch die Jahre weiter und ist bei vielen C- und B-Junioren Spielen ebenso zu beobachten (ob BOL, Landesliga oder sogar Bayernliga ist da gleich, es ändert sich nur die Qualität der Spieler und das Tempo des Schlagens...), und führt zu sehr kreativarmen und initiativelosen Schützlingen mit großen Möglichkeiten, die sie aber nie abrufen durften, weil der Sieg um jeden Preis im Vordergrund stand.
Kleine Bundesliga Imitate
Der zweite Punkt umfasst die delikate Schiedsrichteraufgabe, die unserer Meinung in diesem Altersbereich über die letzten Jahre durch die überfrachtete Fernsehpräsenz stark erschwert wurde. Viele Schiedsrichter sehen in den 12 und 13 jährigen Jungs das, was sie sind, nämlich Kinder, die daheim noch Playstation spielen, ihre Kuscheltiere irgendwo versteckt halten und, wenn sie krank sind, zu Mama und Papa ins Bett dürfen - das stimmt auch. Doch was bei einigen Jungs passiert, wenn sie einen Fußballplatz betreten, ist phänomenal: Plötzlich ist man Bundesligaprofi! Es ist alarmierend und verstößt eigentlich gegen jeglichen vom BFV zurecht hochgehaltenen Fairplay Gedanken, wenn Kinder leicht am Fuß getroffen plötzlich wie vom Blitz erschlagen zu Boden stürzen und sich eine Zeit lang den Kopf halten, wenn Kinder den Schiedsrichter mit dreisten Kommentaren zum Handeln auffordern und nachäffen bei dessen Entscheidungen, wenn Kinder unschuldig viermal den Mann in Schwarz fragen, ob der Einwurf auch wirklich von dieser Stelle ausgeführt werden soll, nur um Zeit zu schinden... Schlimmer als all das zusammen ist jedoch die Erwachsenenhärte in der Begegnung. Grätschen mit Anlauf, ob der Ball getroffen wurde oder nicht, sind Fouls, Ellbogenchecks und dieses unsägliche Festhalten schon allemal. Aber die meisten Unparteiischen sehen den Jungs sehr viel nach, um den Spielfluss nicht zu stören, lassen sehr viel durchgehen und drücken sehr oft das Auge zu. Leider führt dies nur zu einem: Die Jungs sehen sich in ihrem Fehlverhalten bestärkt, denn es bringt ihnen ja was und damit lernen sie dieses bedenkliche Verhalten, das man Regeln eben doch biegen muss und auch brechen, wenn man es ungestraft darf.
Ein weiterer Punkt der aber den gesamten SCF zu betreffen scheint und uns etwas bedenklich stimmt ist das Thema des regional interessierten Schiedsrichters, oder kurz: Wo sind denn unsere Heimschiedsrichter? Der SCF merkt bei Auswärtsreisen über unsere Landkreisgrenzen hinaus oft dieses seltsame Phänomen „nicht bevorzugt" zu werden. So bekommt man die knappe Abseitsentscheidung nicht, der Gegner ab und zu schon, kleinere Rempler und Stocherer in Strafraumnähe werden zu Fouls und aussichtsreichen Freistoßpositionen, eingesprungene Grätschen gegen den SCF Akteur bestenfalls zu einem Eckball. Man ist nie durchweg benachteiligt, aber in vielen kleinen zermürbenden Aktionen auch sicher nicht im Vorteil. Die größte Gerechtigkeit, die unseren Akteuren wiederfahren ist, sind Unparteiische, denen im wahrsten Sinne des Wortes beide Teams sch... egal sind. Jetzt könnte man aber sagen, dass wenigstens die Schiedsrichter in unserem Umkreis, wenn schon nicht für, dann wenigstens nicht krass gegen den SCF pfeifen, die Rote Karte in einem D-Jugend Spiel (diese Unfassbarkeit kann man gar nicht oft genug wiederholen, besonders wenn man sich an den eingesprungenen Rittberger vom Ingolstadtspiel zurückerinnert, der „nur" 5 Minuten einbrachte) sprechen da aber eine andere Sprache.
Es sind nur Beobachtungen, die hier wiedergegeben werden können, aber eines muss dabei bedacht werden: Die Mannschaften, die ständig mit dem Ball in den Zweikampf gehen, so wie es richtig ist, werden sukzessiv an der Ausbildung gehindert, wenn ihre Akteure zum Foul freigegeben werden. Schützt also bitte den Fußballer und nicht den Kämpfer, schützt die Jungs die Spaß und Kreativität ausleben wollen und nicht diejenigen, die über Leichen gehen, um drei Punkte einzufahren.
Unser Team
Die individuelle Schulung unseres Teamgedankens, technisch stark, beidfüßig, kreativ, 1:1 Dominanz, ist weit vorangeschritten. Als ein Team, dass unsere anspruchsvollen Vorgaben auf dem Platz umsetzen kann, sind wir aber nur phasenweise aufgetreten. Diese Momente, wie das hervorragend herausgespielte 3:2 gegen Ismaning, sind aber deshalb umso wertvoller.
Von hinten heraus nach vorne zielorientiert aufzubauen und den Ball auch über längere Zeit in unseren Reihen zu halten, kurz auf Ballbesitz zu spielen, wie es unsere Idolvorbilder von Ajax, Barcelona und Arsenal machen (wir wollen uns nicht mit den Teams aber mit der Spielweise vergleichen), ist uns bisher noch nicht gelungen und es wird auch ein langer und beschwerlicher Weg werden bis dahin.
In nächster Zeit stehen jetzt erst einmal die Stoßtechniken im Vordergrund und damit auch die beginnende Schulung defensiver und offensiver Kopfballtechniken.
