SCF Kleinfeldbesetzung
Tomas Zivcic, 06.07.2011
Nachdem am Sonntag die Trainerbesetzung für das Großfeld vorgestellt worden war, wenden wir uns nun dem Grundlagenbereich zu. Da der Bericht einiges an Länge hat und wir uns ebenfalls ausführlich mit dem Thema der SCF-Ball und Bewegungsschule auseinandersetzen wollen, werden wir Letzteres auf Anfang nächster Woche verschieben.
Alle hier vorgestellten Themen sind natürlich trotzdem nur angerissen und werden deshalb noch einmal bei einem Elterninformationsabend speziell für das „Kleinfeld“ Anfang Juli erörtert.
Das Trainerteam für 2011/12
Nach den fünf Abstiegen in der Saison 2009/10 ist es schön zu sehen, dass sich mit unserer Ausbildungsphilosophie auch Meisterschaften einstellen. Die sechs Aufstiege bzw. Meisterschaften in der Saison 2010/11 und die Verbesserung des Trainerteams für die neue Saison (siehe Die SCF Trainerbesetzung 2011/12) geben uns jetzt die nötige Stabilität, so dass wir uns in Ruhe unserem „Schmuckkästchen“ Kleinfeld und vor allem der Ball und Bewegungsschule widmen können.
Für die neue Saison stehen bisher Thomas Hartl als U11 Trainer und Benno Öttl als U09 Trainer fest. Die U08 wird von Müslüm Kilinc gleitet, ihm zur Seite stehen Dejan Pavlovic und Andi Aufderklamm. Mit Edit Besirovic, Davor Mucic, Tomas Zivcic stehen hier noch weitere Trainer zur Verfügung, die für eine gesicherte Ausbildung der Kinder sorgen werden, falls hierfür die Notwendigkeit besteht. Die Folge davon ist für unsere Kinder durchweg positiv, denn:
Den Amateurverein werden sie Deutschlandweit nicht finden, das Nachwuchsleistungszentrum werden sie Deutschlandweit nicht finden und sogar bei Lizenzvereinen werden sie ziemlich weit im Norden suchen müssen, bei dem ein Fußballlehrer, ein A-Lizenz Trainer und ein A-Lizenzanwärter zum Nulltarif, aber für eine Ausbildungsidee und –philosophie im Kleinfeld aktiv werden.
Da wir dieses Jahr ein Team stellen, dass die „Trainervernetzung“ verinnerlicht hat und das deshalb für den ganzen Verein denkt wird es keine Lücken in der Ausbildung der Kinder geben.
Nachdem das gesagt ist, ist es dem Autor dieses Textes ein großes persönliches Anliegen einige Sachverhalte sehr klar darzustellen.
Stiefkinder der Ausbildung: Das Kleinfeld im Fußballverein
Eltern, die in den letzten Jahren beim SCF im Kleinfeld anfangen haben, erleben einen Luxus, den man vor fünf bis zehn Jahren hier noch nicht einmal erträumt hätte und der weit und breit nicht vorhanden ist. Natürlich gibt es sehr viele Ansatzpunkte, die in nächster Zeit noch verbessert werden können, aber uns sollte allen klar sein, auf welch hohem Niveau man beim SCF meckern kann.
Wenn man einem Blick auf andere Vereine wirft, hat sich dort seit Jahrzehnten folgendes Bild nicht geändert:
Junge Trainer, die noch nie zuvor eine Mannschaft betreut haben, werden ohne Ausbildung und ohne Fortbildung einfach ins kalte Wasser geworfen und betreuen meistens die jüngsten Kinder, eine F3 oder eine E3 und tiefer. Die anderen Teams werden von Elterntrainern, meistens den Vätern trainiert, weil der eigene Junge eben dort spielt. Auch hier wird keine Schulung gemacht, man lässt die Eltern einfach vor sich hin werkeln und aus den eigenen Erfahrungen aus dem Erwachsenbereich sich ihr Training zusammenstellen. Eine Absprache oder einheitliche Linie findet man nicht. Es interessiert auch keinen, man ist von der Jugendleitung einfach nur froh, wenn es keinen/wenig Ärger gibt und man sich nicht darum kümmern muss.
Auch in nahezu allen Nachwuchsleistungszentren und Lizenzvereinen findet eine komplette Vernachlässigung des Kleinfeldes statt. Das liegt vor allem in der überholten Anschauung, dass Fußball spielen eben erst ab der D-Jugend beginnt, da man dort 11:11 spielt, alles davor ist kein richtiger Fußball. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Stützpunktprojekte erst ab der D-Jugend beginnen und selbst hervorragende Ausbildungsstätten, wie die Jugendabteilung des SC Freiburg (unter Volker Finkes Zeiten) erst ab einer D-Jugend überhaupt Mannschaften eingeführt haben.
Die SCF Historie des Kleinfeldes – „Revolution von Unten“
Der SCF ist der einzige Verein, der uns auf der höheren Amateurebene bekannt ist, der seine Konzeption von Unten nach Oben installiert hat und dessen Fundament im Kleinfeld beginnt. Was dort grundlegend geschult wird, ist basales Handwerkszeug für unseren Spielstil und die positionsspezifische Ausbildung ab dem 14ten Lebensjahr. Die Jugendarbeit ist durch das Kleinfeld komplett verändert worden, und dies ist bis heute das Markenzeichen der Jugendabteilung SCF!
Dem Autor ist es nur zu gut in Erinnerung, wie nach dem Weggang der YES eV. Fußballschule 2002 und dem erneuten Weggang der kompletten Trainerschaft 2004/05 das Kleinfeld in Trümmern und auf einem Dorfniveau begraben lag. Auch wie man nur mit Hilfe eines Trainertalentes wie Marco Römer zusammen mit vierzig Kindern auf halben Plätzen trainieren musste und für vier von sechs Kleinfeldteams im Spiel- und Turnierbetrieb zuständig war und das für eine Aufwandsentschädigung von 50 € im Monat.
Auch ist es den Eltern des 94er, 95er und vor allem 96er Jahrgangs noch gut in Erinnerung, wie man von Spiel zu Spiel ausgelacht und verspottet wurde, weil man die Kinder zum Dribbeln erzog und von Ihnen risikoreiche 1:1 Situationen erwartete, obwohl man so gut wie jede Partie dadurch verlor.
Diese Jahrgänge legten aber den Grundstein für unsere an der holländischen Fußballschule angelehnten Grundlagenarbeit, die bis heute von Thomas Hartl in akribischer Kleinstarbeit ständig verbessert wird und uns auf das Ausbildungsniveau eines Lizenzvereines gebracht hat.
Aber ihr habt doch auch nur Elterntrainer…!
Nein, wir hatten erstmalig wieder in der Saison 2010/11 „nur“ Elterntrainer, aber mit einem entscheidenden Unterschied. Unser Kleinfeldkoordinator Thomas Hartl sorgt für eine regelmäßige Schulung, Kleinfeldtrainersitzungen und Besprechungen. Seine Führung und sein Ton gegenüber den Trainern ist direkt, aber um zum Ausbilder im Kleinfeld zu werden, muss man eben so gut wie alles hinter sich lassen können, was man denkt von früher über Fußballtraining zu wissen. Wir sind noch alle wie kleine Erwachsene trainiert worden.
Unsere Kleinfeldtrainer bekommen regelmäßige Kleinfeldschulungen, ihnen wird die Trainerausbildung beim BFV bezahlt, ihre Kinder spielen beitragsfrei. Wem das nicht genug ist, der soll nur nach rechts und links blicken, als Kleinfeldtrainer/in ist man an fast allen Stellen die „unwichtigste Sau“ im Stall.
Trotz – vielmehr wegen - unserer „Elterntrainer“, hat unser Kleinfeldtraining ein sehr hohes Niveau und vermittelt den Kindern anspruchsvolle Inhalte. Unser Kleinfeld ist deshalb noch immer auf Augenhöhe mit der gleichaltrigen Abteilung eines Lizenzvereins. Deswegen möchte die SCF Jugendabteilung allen beteiligten Trainern und dem Leiter Thomas Hartl hiermit den Respekt zollen, den sie verdient haben.
Vielen Dank für die großartige Arbeit!
Ausblick auf den Elterninformationsabend: Talent, was nun?
Eine der großen Zielsetzungen der am Donnerstag noch vorzustellenden pädagogischen Stelle beim SCF ist es, bei Eltern Aufklärungsarbeit in Sachen Jugendfußball zu betreiben und ihnen dabei zu helfen mit Ruhe und Geduld den Weg ihres Talentes zu begleiten.
In keinem anderen Bereich wird dermaßen mit den Ängsten und der Unwissenheit der Eltern gespielt, wie ihm Kleinfeldbereich. Wir wollen mit belegten Informationen und Erfahrungsberichten helfen, dass sie sich ein qualifiziertes Bild von der Entwicklung talentierter Spieler machen können.
Im Moment haben wir bei den 6-11 Jährigen 4-8 Abgänge zu Lizenzvereinen pro Jahrgang. Das hat leidlich wenig mit zielgerichteter und kindgerechter Entwicklung zu tun.
