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"Zweite Mannschaften steigen nie ab" (SZ 08.09)

Tomas Zivcic, 08.09.2010

"Zweite Mannschaften steigen nie ab" (SZ 08.09)

Bayerischer Fußball-Verband "Zweite Mannschaften steigen nie ab"

Viele Vereine beklagen Manipulationen im Jugendfußball, weil einige zweite Teams bei wichtigen Spielen mit Akteuren aus der ersten Mannschaft verstärkt werden. Der Verband will nichts unternehemen - und sieht die Klubs moralisch in der Pflicht.

Gestern Nachmittag erhielt der SC Fürstenfeldbruck Nachricht vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV): Die Revision sei vom Verbandssportgericht abgewiesen worden, am Abstieg der C-Jugend aus der Bezirksoberliga ist nicht zu rütteln. Er habe das Urteil so erwartet, sagt Jakob Ettner, der Rechtsbeauftragte des Vereins. Ihn interessierte vor allem die Begründung. Was er dann auf fünf Seiten las, erzürnte ihn hörbar. "Beschämend", nannte er die Ausführungen des Gerichts: "Der BFV bricht seine eigenen Regeln." In der ersten Aufregung spielte Ettner sogar mit dem Gedanken, ein Zivilgericht anzurufen.

Oft stehen die Schiedsrichter im Zentrum der Kritik - sie können jedoch auch nur die Regeln anwenden, die der Fußballverband vorgibt. Weil er sich durch die Regeln zum Einsatz von Spielern aus der ersten Mannschaft in den Ersatzteams von Klubs benachteiligt fühlte, reichte der SC Fürstenfeldbruck Beschwerde beim Bayerischen Fußball-Verband ein. (© dpa)

Wie berichtet, hatte die C-Jugend des SCF vergangene Saison gegen Burghausen II das wohl entscheidende Spiel um den Klassenerhalt 1:4 verloren - auch deshalb, weil der Gegner Spieler aus der ersten Mannschaft eingesetzt hatte. Möglich war dies nur, weil Burghausens C1 ein für sie bedeutungsloses Punktspiel lediglich mit acht Feldspielern begonnen hatte, obwohl genügend Akteure anwesend waren.

Erst nach der Pause wurde die Mannschaft komplettiert. Die eingewechselten Spieler durften nun laut Paragraph 19 der Jugendordnung in der C2 mitwirken. Fürstenfeldbruck berief sich auf Paragraph 47a der Rechts- und Verfahrensordnung, warf Burghausen "unbefugte Beeinflussung" und damit Spielmanipulation vor. Das Verbandssportgericht folgte dieser Argumentation nicht. Er habe mit vielem gerechnet, sagt Ettner, nicht aber damit, "dass der Verband einen neuen Paragraphen 47a schafft".

 

Bernhard Schütz, der stellvertretende Geschäftsführer des BFV, lässt durchaus Verständnis erkennen für den SC Fürstenfeldbruck: "Wenn ein Verein", in diesem Fall Burghausen, "es darauf anlegt, kann so etwas herauskommen".

Mindestens zehn Jahre schon versuche der Verband, den Einsatz von Spielern aus höherklassigen Mannschaften zu aller Zufriedenheit zu regeln. Gelungen ist das nicht: "Entweder wir bekommen Prügel von den großen oder den kleinen Vereinen. Der große Wurf ist uns nicht geglückt", sagt Schütz. Er sehe die Vereine in der moralischen Pflicht, den Paragraphen 19 nicht zu missbrauchen.

Für Siegfried Frost, den Vorsitzenden der JFG Glonntal, ist es mit einem Appell nicht getan. Er fordert wie der Fürstenfeldbrucker Jakob Ettner eine umgehende Satzungsänderung. Das Problem: Der zuständige Verbandstag fand vor wenigen Wochen statt, die nächste Gelegenheit zur Korrektur bietet sich erst in vier Jahren.

Auch die JFG Glonntal ist mit den C-Junioren aus der Bezirksoberliga abgestiegen, auch im Dachauer Moos fühlen sie sich als Opfer der Burghauser Rochaden. "Diese Schummelei muss verhindert werden", sagt Frost. Sein Vorschlag: Um die Durchlässigkeit nicht mehr missbrauchen zu können, müsse vor der Saison ein Kader für jede Mannschaft benannt werden.

Allenfalls ein festgelegter Spielerkreis soll dann noch zwischen den Teams pendeln dürfen. Der BFV werde den Fall zum Anlass nehmen und darüber sprechen, verspricht Schütz. Die Regeln zu ändern, dazu sei es allerdings zu früh. Bei 4600 Vereinen in ganz Bayern müssten mehr Beschwerden eintreffen.

Dabei gebe es solche Vorfälle zuhauf, entgegnet Karl Merz, der Jugendleiter des TSV Eching bei Freising. Beim jüngsten Ligatreffen habe fast jeder Verein davon berichten können. In der Jugendfußballszene mache ein Spruch die Runde, ergänzt der Glonntaler Vorsitzende Frost: "Zweite Mannschaften steigen nicht ab."

 

Aber sie steigen auf, hat Merz erfahren. Als Echings C-Jugend unlängst um den Aufstieg in die Bezirksoberliga spielte, sei der FC Ingolstadt II mit der kompletten Bayernliga-C1 angetreten. "Sie haben einfach sechs Wochen vorher beide Mannschaften getauscht", sagt Merz. Auch hier brachte eine Klage beim Sportgericht nichts ein, den Statuten zufolge hatte Ingolstadt korrekt gehandelt.

Diesen Mittwoch, 16.15 Uhr, werden Jugendfußballer aus Fürstenfeldbruck, Glonntal und Eching mit ihren Eltern vor dem BFV-Haus in München offiziell demonstrieren und Protestbriefe übergeben. "Wenn wir jetzt nicht die Stimme erheben, wird die Sache wieder im Sand verlaufen", sagt Frost.

Es treffe sich gut, dass der Weltverband Fifa soeben die Fair-Play-Woche ausgerufen hat. Er sehe die Notwendigkeit, sagte Präsident Sepp Blatter, der Fairness im Sport - insbesondere bei Kindern - zum Durchbruch zu verhelfen. Passend dazu wollen die Demonstranten den BFV-Funktionären heute einen Fair-Play-Preis übergeben: einen ausgedienten Ball ohne Luft

Von Wolfgang Wittl 


Quelle:http://www.sueddeutsche.de/muenchen/sport/bayerischer-fussball-verband-zweite-ma